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09.07.2021

DTTB-Präsident Geiger stellt sich im Dezember nicht zur Wiederwahl

DTTB-Präsidium und die Führung der Mitgliedsverbände diskutieren in der kommenden Woche über Geigers Nachfolge

Eines steht jetzt schon fest: Nach dem 16. Bundestag am 11. und 12. Dezember wird der Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) nicht mehr Michael Geiger heißen. Der 56-jährige Schwarzwälder, der das Amt seit März 2015 innehat, wird bei den turnusmäßigen Neuwahlen nicht mehr antreten. Sein Entschluss ist lange gereift, am Donnerstagabend informierte er in einer Videokonferenz die DTTB-Mitgliedsverbände darüber. Bereits eine Woche später werden das DTTB-Präsidium und die Führung der Mitgliedsverbände über die Nachfolge Geigers beraten.

„Nach über 16 Jahren in DTTB-Gremien, davon elf Jahre im DTTB-Präsidium und fast sieben als Präsident, halte ich mich an das Prinzip, dass ab und zu ein Wechsel an den Positionen frischen Wind bringt. Das wird von der Öffentlichkeit unter dem Aspekt ‚Good Governance‘ ja nicht selten gefordert“, erklärte Michael Geiger. „Die Auseinandersetzungen mit ITTF und WTT, aber auch der Bundestag 2019 haben es mir nicht gerade schwer gemacht, den Weg für jemand anderes freizumachen.“

Höhepunkt WM 2017 im eigenen Land

Seit 2010 gehört der gebürtige Haslacher dem Präsidium an, zunächst als der für die Finanzen zuständige Vizepräsident. Nach dem Ausscheiden seines Vorgängers Thomas Weikert, der ITTF-Präsident wurde, übernahm der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer im März 2015 die Führungsrolle im zehntgrößten olympischen Spitzenverband in Deutschland. Wohl kaum ein DTTB-Präsident war so präsent und ständig auf Ballhöhe auch in der nationalen und internationalen Sportpolitik wie Geiger. Er bereiste zig Landesverbandstage sowie nationale Turniere aller Spiel- und Altersklassen und dokumentierte dadurch nicht zuletzt die Offenheit und Zugänglichkeit des DTTB-Führungsgremiums. Er lenkte und leitete die eigenen Präsidiumssitzungen, Bundestag und Beirat - ob online oder in Präsenz - ebenso effizient wie perfekt vorbereitet und hielt als erster DTTB-Präsident eine Rede bei der Hauptversammlung des französischen Verbands in der Landessprache, was die deutsch-französischen Beziehungen spürbar stärkte. Auch der Deutsche Olympische Sportbund erkannte die Kompetenzen des Diplom-Betriebswirts: Er ist Mitglied der Sprechergruppe der Spitzenverbände und der Finanzkommission des DOSB.

Zu seinen Highlights als Präsident zählen neben herausragenden World Cups in Deutschland, German Open und zahlreichen nationalen Top-Turnieren die Weltmeisterschaften 2017 in Düsseldorf, als Gastgeber Deutschland für die wohl bestorganisierten und bestbesuchten Welttitelkämpfe aller Zeiten sorgte und das Event zusätzlich mit einem sehr positiven finanziellen Ergebnis abschloss. „Das war ein tolles Gemeinschaftsergebnis von Tischtennis-Deutschland. Da haben wir gezeigt, was wir in unserem Sport gemeinsam alles schaffen können“, so Geiger.

Unvergessen bleiben wird für ihn auch sein Aufenthalt bei den Olympischen Spielen 2016 und nach den sportlichen Erfolgen von Team Deutschland, darunter der sensationellen Silbermedaille der Frauen, auch die gemeinsame Feier der Medaillen mit Damen-, Herren- und Betreuer-Team im Deutschen Haus in Rio den Janeiro.

„Nach den Jahren beim DTTB bleibt für mich die Gewissheit, dass man gemeinsam große Ziele erreichen kann, auch wenn es bis zur Umsetzung manchmal etwas länger dauert und man auf dem Weg manche Niederlage kassiert“, bilanziert Geiger. „Die eigene Sportart zukunftsfähig gestalten zu können und sie dabei im Kern immer zu erhalten – vom großen Ganzen bis in die Details – war immer eine Herausforderung, der ich mich gerne gestellt habe.“

Kräftezehrende Kämpfe an mehreren Fronten

Die Kämpfe, die er gemeinsam mit seinem insgesamt achtköpfigen Präsidiumsteam ausficht, waren und sind kräftezehrend: Mit Zähigkeit, Kompetenz und Bedacht führt Michael Geiger die Auseinandersetzung mit dem Weltverband ITTF um die 2020 neu installierte Marketing- und Event-Tochter World Table Tennis (WTT), die den Nationalverbänden aus Sicht des DTTB und zahlreicher Unterstützer Einfluss und Kontrolle über das internationale Turniergeschehen raubte sowie die Bedingungen für Turnierveranstalter derart verschärfte, dass sich der DTTB u. a. die Austragung der seit 1999 jährlich stattfindenden German Open unter dem neuen WTT-Dach vorerst nicht leisten kann.

Im eigenen Land scheute Geiger die Auseinandersetzung vor allem mit den größeren Landesverbänden um den Führungsanspruch auf Bundesebene nicht. Nach einem Konflikt, der in ungewohnt zahlreichen Gegenstimmen und Enthaltungen bei der Wiederwahl aller Präsidiumsmitglieder beim Bundestag 2019 gipfelte, dominiert inzwischen der konstruktive Austausch. Nicht zuletzt seit der Corona-Pandemie, die allen Sportverbänden eine Vielzahl von Mitgliedern gekostet hat, zieht Tischtennis-Deutschland wieder an einem Strang, und Michael Geiger hält seinen Verband auf Kurs.

Das Engagement für seinen Sport bleibe bis zum Jahresende ungebrochen, wie er klarstellt: „Auch wenn ich den Rückzug aus meinem Amt schon jetzt ankündige, werde ich bis zum letzten Tag für den DTTB arbeiten. Meine frühzeitige Ankündigung soll für einen geregelten Übergang sorgen.“

Auch kein Comeback als Schiedsrichter

Ein Comeback, ob als Funktionär im Tischtennis auf höherer Ebene oder als langjähriger nationaler und internationaler Schiedsrichter, schließt er aus. Über sein Ehrenamt als Unparteiischer war Michael Geiger zum DTTB gekommen. Im Jahr 2005 wurde er zunächst Beisitzer im Schiedsrichter-Ausschuss, zuständig für die Aus- und Weiterbildung im DTTB. 2004 war er der erste Blue-Badge-Schiedsrichter Deutschlands und hatte damit die höchste Qualifizierungsstufe eines internationalen Schiedsrichters erreicht. Bei den Paralympics in Athen 2004 leitete er ebenso Endspiele wie bei den Weltmeisterschaften 2006, 2008 und 2013 und übernahm in der Folge in der ITTF die Ausbildung internationaler Schiedsrichter, was er mit dem Antritt des Präsidentenamts beim DTTB aufgab.

Einzig seinem Heimatverein TTC Haslach wird Michael Geiger aktiv erhalten bleiben, wo er auch in der neuen Saison in der Kreisliga an den Tisch gehen wird. „Meine Passion für den Tischtennissport bleibt, denn die ist ganz unabhängig von meinen Ämtern.“ Geiger zieht sich nicht im Unfrieden zurück, wie er unterstreicht: „Ich möchte nicht anderen Leuten im Genick sitzen. Wenn mein Rat gefragt ist, helfe ich gern, aber nicht in einer speziellen Funktion.“ Er habe sich immer im Ehrenamt und in Vereinen engagiert, ob im Sport oder für die Kultur, und könne sich dies mit etwas Abstand auch wieder vorstellen, sagt er, „aber ich strebe kein bestimmtes Amt mehr an.“

Quelle: DTTB


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